| » Blaue Kuppe | » Eifel | » Halle (Saale) | » Harz |
| » Hegau | » Hoher Meißner | » Kaiserstuhl | » Münchberger Gneismasse |
| » Odenwald | » Vogelsberg |
Der Hegau
Anfahrt
Von Norden fährt man über die E41 (E531 und A81) bis Abfahrt Nr.39 Engen oder Abfahrt Nr.40 Kr.-Hegau. Zwischen diesen beiden Abfahrten liegt der Hegau mit seinen wichtigsten Erhebungen Hohenhewen (846 m) und Hohenstoffeln (844 m). Je nach dem von wo man kommt, fährt man dann weiter in Richtung Singen oder Gottmadingen.
Abb.1: Lageplan des Hegaus nordwestlich des Bodensees [2]
Geomorphologische und geologische Beschreibung
Der Hegau liegt nordöstlich von Schaffhausen und vom Rhein, wenig nordwestlich des Bodensees.
Im Jungtertiär (vor allem im Miozän) bildeten sich am Schnittpunkt zweier
Störungssysteme rund ein Dutzend Vulkane. Die gesamte Störungs- und Einbruchszone
umfasst eine Fläche von 40 x 20km. Der Hegau-Vulkanismus entwickelte sich in einem
Sedimentbecken, welches reich an glimmerhaltigen Kalksandsteinen und Konglomeraten
(Süßwassermolasse) war. [1]
Abb.2: Querprofile durch die Umgebung des Hegau Teil 1 [2]
In der Mitte des Miozäns führte eine zunächst schwache Explosionstätigkeit zur
Ablagerung von Mineralen vulkanischen Ursprungs. Im oberen Miozän (14Ma) setzte eine starke
explosive Tätigkeit ein, welche zur Ablagerung einer etwa 100m mächtigen Schicht
basaltischer Pyroklastika führte. Eine kurze explosive Phase begann um den heutigen
Hohenstoffeln vor 12,5Ma (oberes Miozän). Dabei häuften sich Explosionsbreccien und
Aschen um die Ausbruchsstelle herum an und wandelten sich teilweise in Bentonite phonolithischer
Zusammensetzung um.
Vor etwa 9Ma erfolgte die Intrusion der Phonolithe im Osten des Hegaus. Die letzte Phase mit
vulkanischer Aktivität fand im oberen Miozän (6Ma) statt. Während dieser Phase
intrudierte der "Hegauer Basalt", ein sog. Melilithit.
Im anschließenden Pliozän führten tektonische Bewegungen zur Absenkung des gesamten
Gebietes um etwa 200m. [1]
Abb.2: Querprofile durch die Umgebung des Hegau Teil 2 [2]
Gesteine am Hegau
Am Hegau dominieren basaltische Pyroklastika. Sie machen etwa 90% des gesamten geförderten
Materials aus. Der Rest besteht aus Phonolithen, zwei Bentonitschichten und Melilithiten. Bei den
basaltischen Pyroklastika werden rote Mergel mit Mineralen vulkanischen Ursprungs, Deckentuffe,
Hornblende- und Melilithittuffe unterschieden.
Die Phonolithe sind hell und weisen eine porphyrische Struktur mit klaren plattenförmigen
Sanidinkristallen auf. Des weiteren enthalten sie Körner von Augit, kaolinisiertem Nosean,
stark zersetztem Hauyn und etwas Leucit. In der Matrix sind zudem Nephelin, Magnetit, Apatit,
Zirkon und Titanit zu finden. Die Phonolithe enthalten reichlich Seltene Erden: 350g Uran pro
Tonne sowie bemerkenswerte Mengen an Niob und Tantal.
Die Bentonite stellen umgewandelte, vulkanische Gläser dar. Sie haben eine rhyolithische
oder phonolithische Zusammensetzung. Die weißen, rhyolithischen Bentonite enthalten Quarz,
Sanidin, Oligoklas, Apatit, Zirkon, Rutil und Montmorillonit. Sie kommen südlich des
Hohenstoffeln und nördlich von Gottmadingen vor. Die gräulichen, phonolithischen
Bentonite enthalten Sanidin, Apatit, Titanit, Augit und Montmorillonit. Sie sehen brecciös
aus und kommen nördllich und südlich des Hohenstoffeln vor. [1]
Die Melilithite (Hegauer Basalte) weisen basaltischen Augit und Melilith als Hauptminerale,
nebst Olivin und wenig Nephelin auf. Magnetit ist häufig, Perowskit und Apatit treten
seltener auf. Das absolute Alter wurde auf 6Ma datiert. [2]
Geomagnetische Messungen haben ergeben, dass die Magmenkammern unter dem Hegau sich in 5km Tiefe
befinden. [1]
Minerale am Hegau
In den Spalten der Phonolithe sind schöne Natrolith- und Analcimkristalle zu finden. Am Hohentwiel, am Hohenkrähen, am Mägdesprung und am Gönnersbohl sind schöne Intrusionen zu entdecken. [1]
Hohenhewen (848 mNN)
Nördlich und südlich der Ruine Hohenhewen ist ein Basalt (Melilith-Nephelinit mit
19% Olivin, 13% Nephelin und 5% Melilith) aufgeschlossen. Der Gipfel des Hohenhewen ragte als
Nunatakr über das risszeitliche Eis, welches 1-2km westlich des Hohenhewen seine äußersten
Spuren hinterließ.
Im 19. Jahrhundert wurde in verschiedenen Gruben am Hohenhewen der umgebende Gipsmergel
(Juranagelfluh) als Düngegips abgebaut. Der Gipsmergel bildet eine schichtförmige Lage
in den Mergeln der Juranagelfluh, die in einem See abgelagert wurde. Dafür sprechen auch die
Schildkröten, Schnecken und Säugetierreste, die im Gipsmergel auf der NE-Seite des
Hohenhewen gefunden wurden. [3]
Hohenstoffeln (844 mNN)
Am Vorkommen vom sog. Oberen Bentonit (Sanidinkristalle) am Sennhof am Südosthang des Hohenstoffeln wurde ein K/Ar-Alter von 12,5Ma bestimmt. Am Gipfel weist der bildende Basalt besonders dicke, senkrecht stehende Säulen auf. Wenige Meter unterhalb des Gipfels stehen in NW-Richtung grobe Nephelin-Schlieren und -Adern im Basalt an. Bruchstücke davon findet man auf der oberen Steinbruchterrasse. [3]
Quellen
- [1] Krafft, M. (1984): Führer zu den Vulkanen Europas in 3 Bänden - Teil 2: Deutschland - Frankreich. - Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart, 146 S.
- [2] Hofmann, F. (1965): Bericht über die Exkursion der Schweiz. Mineralogischen und Petrographischen Gesellschaft in den Hegau. - Schweiz. Min. Petr. Mitt., 45, Zürich, 20-33
- [3] Schreiner, A. (1984): Hegau und westlicher Bodensee. - Sammlung geologischer Führer, Band 62, Gebrüder Bornträger, 2. Auflage, Stuttgart